Fundsachen aus dem Netz


Startseite der HP

Übersicht Fundsachen


Der Hund

Diese Geschichte habe ich von einer Internetfreundin - noch aus ihrer Schulzeit.
Danke, Laura

Ich kann beim Lesen die Tränen nicht zurück halten

 

Es war ein kleiner Hund und ein großer Mann. Sie saßen zusammen, sie schliefen zusammen und gingen zusammen aus und ein. Niemand kannte den einen ohne den anderen. Der kleine Hund hatte ein weiches Fell und und dunkle, kindliche Augen. Er hatte auch eine feuchte Nase und vier rasche Beine. Den Schwanz trug er eingerollt, die Ohren legten sich um, wenn er lief, und wurden rosa, aber das machte ihn nur noch liebenswerter. Kinder besuchten ihn mit gespartem Zuckerzeug, Ehepaare liefen einen Umweg, um ihn am Zaun zu begrüßen, würdige Männer sprachen ihn auf der Straße an. Es liebten ihn alle Leute, er aber liebte nur den großen Mann, und der große Mann wurde nur von ihm geliebt, denn es war ein einsamer Mann mit vielen offenen Fehlern und vielen heimlichen Tugenden.

Eines Tages behielt der kleine Hund das Fressen nicht mehr und am anderen Morgen war er schon so schwach, dass ihn der große Mann in einem Korb zum Arzt trug. Der Arzt gab Pulver und Verordnungen, sagte aber nicht viel. Da wusste der große Mann, wie es stand. Gegen Abend starb der kleine Hund. Sein Puls ging so schnell und zuckend wie ein Strom an einem schadhaften Kontakt, er sah ins Leere und erkannte nichts mehr. Der große Mann stand dabei und verstand es nicht.

Dann grub er das Grab im Garten. Als er den kleinen, steifen Leichnam hineinlegte und der Kopf so schwer über seine Hand hing, verstand er es und es kamen ihm die Tränen. Er war ein großer, tapferer Mann, er hatte nicht mehr geweint seit seiner frühesten Kindheit. Aber der kleine Hund wurde nicht mehr lebendig.

Als der kleine Hund den großen Mann nicht mehr sah, lief er zum Himmel und suchte ihn. Es war ein weiter, weiter Weg, denn der Himmel liegt hinter allen Sternen, und es war ein Weg voll Merkwürdigkeiten, denn es gehen ihn die Wesen aller Welten. Der kleine Hund ließ sich von nichts und niemand aufhalten, er suchte ja den großen Mann.

Im Himmel war es wunderbar; aber der kleine Hund sah nichts davon - er lief in schnellem zickzack mit der Nase am Boden durch alle Cherubinen und Seraphe, vorbei an Gottes Thron.

"Was suchst Du denn?" fragte ihn schließlich ein kleiner Engel. Da sah er auf und wedelte. "Der große Mann ist nicht da." erwiderte der Engel - "Hoffentlich kommt er herein".

Und so lief der kleine Hund den weiten, weiten Weg zurück und noch weiter - zur Hölle.

In der Hölle war es grauenhaft, aber auch das sah der kleine Hund, immer die Nase am Boden, nicht. Ein Teufel fiel über ihn: "Was willst Du denn da?" fuhr er ihn an. Da sah er auf und fletschte die Zähne. "Der große Mann wird bald kommen", sagte der Teufel höhnisch. Und so lief der kleine Hund zurück bis an die Stelle, wo sich die Wege in den Himmel und in die Hölle trennen, legte sich hin, tat den Kopf auf die Pfoten und wartete still.

Nach einiger Zeit kam ein Teufel und stellte sich neben ihn, und wiederum nach einiger Zeit kam ein Engel und tat desgleichen. Dann kam der große Mann. Der kleine Hund sprang auf ihn zu mit eingerolltem Schwanze, dass die rosa Ohren bei jedem Satz schlappten. Er war außer sich, er schrie und hüpfte und kreiselte vor Freude. Der große Mann aber nahm den kleinen Hund in die Arme und wieder kamen ihm die Tränen. Als der Teufel die Tränen sah, machte er sich davon, und so gingen die beiden mit dem Engel den Weg in den Himmel.

 (von Hellmut von Cube)