|
Unsere Hunde |
||
|
Bingo - der Hund meiner Kindheit
|
||
|
Inhaltsverzeichnis So
kam Bingo zu uns
Es
war in der Nachkriegszeit - wir wohnten in Göttingen. Eines Tages
brachte mein Vater einen Jagdhund von einer Dienstreise mit. Der Hund
hatte Räude und die Vorbesitzer hatten ihn wohl töten wollen. Meine
Mutter war verständlicherweise entsetzt. Sie schaffte es so gerade, uns
alle satt zu bekommen. Wir - das waren, meine Eltern, die Schwester
meiner Mutter, mein Großvater und wir drei Kinder. Na-ja, nun war der
Hund einmal da und durfte natürlich auch bleiben. Nach einiger Zeit und
aufwendiger Pflege war er auch wieder ganz gesund und wunderschön. Für
mich natürlich, "der schönste Hund der Welt". Das Fressen
war auch weiter kein Problem. Bingo war Selbstversorger. In der
Nachbarschaft waren Norweger stationiert und gleich neben uns war ein
Altersheim, da gab es immer Essensreste. Dann wusste er, wann in der
Schule Pause war und bekam dort auch so manchen Leckerbissen. Das war anfangs nicht so einfach. Bingo wollte uns immer begleiten und beschützen. Also sah er es auch nicht ein, warum er nicht mit in die Schule sollte. Zuerst haben wir uns ja gewehrt. Er lief uns nach - wir schickten ihn zurück - er ging auch zurück - drehten wir uns aber um, dann stand er schon wieder an unserer Seite. Wir also mit ihm zurück nach Hause. Der Hund wurde eingesperrt. Aber meistens befreite er sich wieder und stand dann oft wieder hinter uns. Also klar - ihn draußen vor der Schultüre gelassen. Dann auf einmal „klopfte“ es an unserer Klassentüre. Uns schwante schon Schlimmes. Jemand machte dann die Türe auf – und – freudig wedelnd kam Bingo auf uns zu. Klar, ein zu spät kommender Schüler hatte ihn ins Schulhaus gelassen. Bald war Bingo dann unser Schulhund und durfte sogar beim Unterricht im Klassenraum bleiben. Am besten fand er aber Klassenausflüge. Ich denke, er hat sich da als Hütehund gefühlt und seine Herde zusammen gehalten.
Wenn
uns unsere Oma besuchte - sie wohnte in der gleichen Stadt - brachte
Bingo sie abends nach Hause. Erst begleitete er sie bis zum Bus, dann
rannte er vor dem Bus her und wartet an der nächsten Bushaltestele, ob
sie eventuell ausstieg (das passierte manchmal, weil sie da eine
Freundin wohnen hatte). Wenn sie jetzt nicht ausstieg, brauchte Bingo
sie nur an ihrer Heimat-Haltestelle zu erwarten. Freudig begleitet er
sie dann das letzte Stück und nahm vor ihrer Haustüre Abschied mit
Pfote geben. Wenn
meine Eltern abends ausgingen, suchte Bingo sie oft. Es passierte dann,
dass Bekannte später erzählten, dass Bingo abends bei ihnen gewesen
sei. Ich denke, dass er so die verschiedenen Stand-orte, wo meine Eltern
sein konnten, absuchte. Meist hat er sie dann auch gefunden und
ging dann mit ihnen gemeinsam nach Hause. Einmal,
als ich nach Hause kam, begrüßte mich Bingo, wie immer sehr stürmisch.
Diesmal hatten wir aber beide Pech, wir knallten mit unseren Gebissen
zusammen. Ich glaube Bingo hat es nicht geschadet, aber bei mir war eine
kleine Zahnecke weg. Komisch - mich hat das nie gestört,
irgendwie, war ich da sogar stolz drauf. Das
war leider nicht schön. Bingo hatte einen Hundefreund, der ihn gerne
zur Jagd abholte. Der
Hund gab Laut und unser Bingo war nicht zu halten. Irgendwie schaffte er
es aus dem Haus zu kommen. Egal - ob durch Fenster oder Tür. Zuerst
brachte er stolz eine Jagdtrophäe nach Hause. Da er aber sehr
ausgeschimpft wurde, merkte er schnell, dass das keine gute Idee war.
Also kam er ohne Beute und verkroch sich sofort mit schlechtem Gewissen
unter dem Schreibtisch. Natürlich bekam er dann auch Ärger. Das nächste
Mal traute er sich schon nicht mehr so einfach nach Hause.
Aufgeregt kam eine Nachbarin „ihr Hund liegt tot auf der Straße“.
Meine Mutter rannte hin - nein, Bingo war nicht überfahren - lag aber
mitten auf der Fahrbahn. Denn als wir ihn zu Hause hatten, kroch er
schnell wieder unter den Schreibtisch. Bingo
hatte im Wohnzimmer einen der Sessel als Schlafplatz. Tagüber lag er
meistens in seiner Höhle unter dem großen eichenen Schreibtisch.
Startseite
|